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Wie durch Geruch Bindung entsteht

Vom Säugling zum Jung-Erwachsenen - jede Entwicklungsstufe hat seine Besonderheit.

Moderatoren: maeusemama21, Babett

Wie durch Geruch Bindung entsteht

Beitragvon Ralf » Mi 15. Jul 2009, 12:35

Der Geruchssinn von Säuglingen und kleinen Kindern

"Hmmm, Brötchen! Papa, heute gibt’s Brötchen!" Der vierjährige Benni schnuppert genießerisch, als er gegen acht Uhr morgens den Kindergarten betritt. An der Hand von Hendrik, seinem Vater hüpft er den Flur entlang. Ein Duft von frischem Hefeteig erfüllt die Räume. "Vielleicht kann ich noch mithelfen bei den Brötchen?", hofft Benni und verabschiedet sich von seinem Vater. Zielstrebig geht er in den Gruppenraum, wo jeden Montagmorgen aus frischem Weizen-Vollkorn-Mehl ein Hefeteig geknetet wird.

Frisches Hefegebäck hat einen unverkennbaren Duft. Die meisten Kinder und Erwachsenen verbinden damit das Erlebnis einer wohlschmeckenden Mahlzeit. Auch Benni! Er hat es viele Male erlebt: Am ersten Tag der Kindergarten-Woche gibt es selbstgebackene Brötchen. Im ganzen Haus duftet es dann verführerisch. Der Montagmorgen, der für viele Erwachsene mit unangenehmen Assoziationen verknüpft ist, beginnt für den Vierjährigen mit einem angenehmen Duft und der Aussicht auf ein Frühstück mit frischen Brötchen. Aufgrund dieser Sinneswahrnehmung, fällt Benni die Entscheidung für seine erste morgendliche Aktivität: Er will beim Brötchenbacken mittun. So hilft ihm sein Geruchssinn, sich in seiner Welt zu orientieren.

Das Ungeborene kann riechen

Der Geruchssinn gehört zu den sogenannten "Nah-Sinnen", ebenso wie der Tast- und der Geschmackssinn. Diese Sinne ermöglichen eine Orientierung in der unmittelbaren Umgebung. Dagegen werden Sehen und Hören eher für die Wahrnehmung von Signalen und Umweltreizen über eine größere Entfernung gebraucht. Dieses Orientierungsvermögen im Nahbereich ist der Grund dafür, dass der Geruchssinn bei der Geburt schon ziemlich ausgereift ist.

Schon in der 28. Schwangerschaftswoche beginnen die für das Riechen notwendigen Nervenbahnen zu funktionieren. Durch das Fruchtwasser und über seine sich entwickelnde Nasenschleimhaut kann der Embryo riechen - je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, umso besser und intensiver.

Gegen Ende der Schwangerschaft wird die Plazenta immer durchlässiger. Das trägt auch zur immer besseren Geruchswahrnehmung bei. Die Atem- und Schluckbewegungen des Fötus haben zur Folge, dass Geruchsmoleküle zu den Rezeptoren in seiner Nase befördert werden. Über neuronale Reizleitungen werden sie in die entsprechenden Areale seines Hirns weitergeleitet und können somit vom ungeborenen Kind wahrgenommen werden.

Gegen Ende der Schwangerschaft kann das Ungeborene so gut wie alles riechen, was auch die werdende Mutter an Gerüchen wahrnimmt: Essensdüfte, Parfüm, Abgase. Auch das Fruchtwasser selbst hat einen charakteristischen Geruch. Diesen nimmt das Ungeborene sehr deutlich wahr. Der Geruch des mütterlichen Fruchtwassers gehört zur vertrauten Umgebung des Embryos.

Vertraute Gerüche erleichtern die Orientierung

Dieser vertraute Geruch des mütterlichen Fruchtwassers kann dem Neugeborenen eine Orientierungshilfe sein, wenn es durch die Geburt plötzlich in eine unbekannte Welt eintritt. Studien haben gezeigt, dass Neugeborene in der ersten Lebensstunde die eigene Hand zum Saugen leichter fanden - und damit ruhiger wurden - wenn sie noch nicht gewaschen worden waren. Die Forscher vermuten, dass der vertraute Geruch des mütterlichen Fruchtwassers, der auch an der Hand des Babys haftet, die Ursache dafür ist. Das ist einer der Gründe, so die Schlussfolgerung aus dieser Forschung, warum man Neugeborene nicht sofort nach der Geburt waschen soll.

Auch wenn die Brustwarzen der Mutter mit Fruchtwasser benetzt wurden, mochten die neugeborenen Säuglinge diese lieber. Der vertraute Geruch wies ihnen den Weg zur Nahrungsquelle und beruhigte sie.

Durch Gerüche entstehen Bindungen

Jeder Mensch, so hat man herausgefunden, hat seine eigene, unverkennbare olfaktorische Signatur ("Duftmarke"). Sowohl Mütter als auch Kinder sind in der Lage, sich gegenseitig am Duft zu erkennen.

So konnten Mütter unter mehreren T-Shirts fast unfehlbar dasjenige "erschnüffeln", in das ihr eigenes Kind eingewickelt worden war. Sie konnten dies auch dann, wenn sie nach der Geburt nur zehn Minuten mit dem eigenen Kind verbracht hatten. Umgekehrt gilt ähnliches: Forscher haben beobachtet, dass wenige Tage alte Kinder wesentlich ruhiger wurden - ihre noch zappeligen und desorganisierten Körperbewegungen nahmen deutlich ab - wenn sie nur den Körpergeruch der eigenen Mutter wahrnehmen konnten.

Gestillte Babys sind in dieser Hinsicht im Vorteil gegenüber Flaschenkindern, weil sie bei Nahrungsaufnahme immer auch die Mutter riechen können. Beruhigung durch vertraute Gerüche sind für das Wohlbefinden und die Entwicklung des Babys von großem Wert: Es dient seinem Wachstum und seiner ungestörten Entwicklung.

Wenn das Baby entgegen seiner Gewohnheit plötzlich unruhiger ist als sonst, könnte die Ursache auch ein ungewohnter Geruch sein: Ein Deodorant oder ein Parfüm seiner Mutter, das den gewohnten und daher vertrauten Körpergeruch überdeckt.

"Sie können sich nicht riechen", sagt man von Menschen, die sich nicht mögen. In dieser umgangssprachlichen Wendung wird das Erfahrungswissen um die Bindungsfunktion des Geruchssinnes ausgedrückt.

Kuscheltiere und Schmusedecken: den vertrauten Geruch überall hin mitnehmen

Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr, die sich immer weiter von der Mutter entfernen, bevorzugen oft eine Schmusedecke oder ein Kuscheltier, das sie überall hin mitnehmen. Erwachsene betrachten häufig mit Skepsis das meist unansehnlich gewordene Lieblingsobjekt und können kaum verstehen, warum dies für das Kind so unverzichtbar ist. Und wenn das gute Stück dann mal aus hygienischen Gründen den Gang in die Waschmaschine antreten muss, sind Eltern oft überrascht von dem Protestgeschrei oder Jammergeheul ihres Kindes: Oder sie erleben, dass es mit dem frisch gewaschenen Schmusetuch überhaupt nicht einschlafen kann. Nicht selten wird das Kuscheltier dann endgültig verstoßen oder die Decke aufgegeben.

Forscher/innen vermuten, dass es die vertrauten Gerüche des eigenen Speichels oder anderer Flüssigkeiten sind, die von dem Kuschelobjekt ausgehen. Damit beruhigen sich die Kinder, wenn sie in einer fremden Umgebung oder die Eltern gerade nicht verfügbar sind. Mit dem bevorzugten Gegenstand nehmen die Kinder gewissermaßen ihre vertraute Geruchsumgebung mit - was ihnen größere Sicherheit verschafft. In der Phase der Ablösung von den Eltern erleichtern solche Gegenstände Zeiten, in denen die Kinder auf ihre Eltern verzichten müssen.

Es ist ein typisches Verhalten von Kindern in unserer Kultur. In anderen Kulturen, wo kleine Kinder in ständiger körperlicher Nähe zu ihren Eltern leben, wird die Bindung an ein solches Übergangsobjekt wesentlich seltener beobachtet.

Sich wohl fühlen durch vertrauten Geruch

Der vierjährige Benni benutzt sein Kuscheltier nur noch abends zum Einschlafen. Im Kindergarten, so hat er vor einigen Monaten entschieden, gibt es zu viel zu tun - da braucht er die Hände frei. Doch dass es jeden Montagmorgen so gut duftet in seiner Kita, das erleichtert es ihm nach dem Wochenende zu Hause, sich hier wieder wohl zu fühlen.
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Re: Wie durch Geruch Bindung entsteht

Beitragvon vicky89 » Di 27. Okt 2009, 15:12

habe sone duko serie davon
vicky89
 

Re: Wie durch Geruch Bindung entsteht

Beitragvon Holomaster » Mi 25. Aug 2010, 14:58

guter beitrag von dir.
ich lasse mein sohn und meine tochter öfters mal auf meinem bauch einschlafen, somit nehmen sie den geruch von einem wahr und hat gleichzeitig noch die wäre die man ausstrahlt. sowas bindet ungemein.
Eigene Wege sind schwer zu beschreiben....sie entstehen ja erst beim Gehen
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Re: Wie durch Geruch Bindung entsteht

Beitragvon chellsy_mama » Mo 10. Okt 2011, 11:22

toller Beitrag. Da das stimmt, sie lernen schon sehr früh den Geruch kennen. Was mein Mann zu allererst gar nicht geglaubt hat, das es schon in der Schwangerschaft passiert
Selina: Gr. 116/122, Schuhe Gr. 27 (stieftochter,kein regelmäßiges anstellen!)
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