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Jugendalter

Vom Säugling zum Jung-Erwachsenen - jede Entwicklungsstufe hat seine Besonderheit.

Moderatoren: maeusemama21, Babett

Jugendalter

Beitragvon Ralf » Mi 15. Jul 2009, 12:17

Im Kontext entwicklungsbezogener Veränderungen in der Jugendphase ist in der internationalen Jugendforschung vornehmlich der Begriff Adoleszenz gebräuchlich. Die Adoleszenz erstreckt sich insgesamt über einen größeren Zeitraum der Entwicklung (ca. 10 Jahre), in welchem sowohl qualitativ als auch quantitativ sehr heterogene Entwicklungsprozesse ablaufen. Zu deren differenzierter Betrachtung werden drei Phasen mit jeweils zugeordneten Altersbereichen unterschieden (Steinberg, 1993):

    frühe Adoleszenz zwischen 11 und 14 Jahren,
    mittlere Adoleszenz zwischen 15 und 17 Jahren und
    späte Adoleszenz zwischen 18 und 21 Jahren.

Es wird davon ausgegangen, dass in dieser Alterszeitspanne spezifische Entwicklungsaufgaben (Havighurst, 1982) vom Heranwachsenden zu lösen sind. Eine Entwicklungsaufgabe wird definiert als ein Bindeglied im Spannungsfeld zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Anforderungen. Die Adoleszenz ist eine Phase, in der multiple Bewältigungsleistungen von den sich Entwickelnden gefordert sind. Sie beruhen sowohl auf Resultaten früherer Aufgabenbewältigung aus der Kindheit als auch auf Determinanten für die Auseinandersetzung mit künftigen Anforderungen des Erwachsenenalters. Zu den Entwicklungsaufgaben im Jugendalter gehören:

    der Aufbau eines Freundeskreises,
    die Akzeptierung der körperlichen Veränderungen und des eigenen Aussehens,
    die Aufnahme enger/intimer Beziehungen,
    die Ablösung vom Elternhaus,
    die Orientierung auf Ausbildung und Beruf,
    die Entwicklung von Vorstellungen bezüglich Partnerschaft und Familie,
    die Gewinnung von Klarheit über sich selbst,
    die Entwicklung einer eigenen Weltanschauung und
    die Entwicklung einer Zukunftsperspektive (Dreher & Dreher, 1997).

Im Rahmen der hier in diesem Text darzustellenden Entwicklungsphasen ist die erste Phase - die frühe Adoleszenz -, d. h. das Alter zwischen elf und vierzehn Jahren relevant. Diesbezüglich sind folgende Feststellungen zu treffen: In der körperlichen Entwicklung vollzieht sich der 2. Gestaltwandel, in welchem es zu einem Wachstumsschub kommt (bei Jungen insbesondere um das Alter von 14/15 Jahren, bei Mädchen etwa zwei Jahre früher). Die Körperteile wachsen aber nicht alle mit synchroner Geschwindigkeit. Beine und Arme wachsen relativ früher als der Rumpf, was sich sekundär in schlaksigen, ungelenken Bewegungsabläufen niederschlägt. Der Körper erscheint von seinen Proportionen disharmonisch. Die Hauptveränderungen der körperlichen Entwicklung liegen in diesem Alter im Bereich der Geschlechtsreifung, die ursächlich mit einer beträchtlichen hormonalen Umstellung zusammenhängt.

Die Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale erfolgt in einer ziemlich festgelegten Reihenfolge, wobei bei Mädchen die entsprechenden Entwicklungsabschnitte etwa eineinhalb bis zwei Jahre früher stattfinden als bei den Jungen. Bei den Mädchen setzt die Reifung der Geschlechtsmerkmale um das Alter von 10/11 Jahren mit dem Beginn der Rundung der Hüften, Fettablagerungen und dem Wachsen der Brüste und Brustwarzen ein. Bei den Jungen beginnt dieser Prozess mit dem Wachstum der Hoden, des Hodensacks und des Penis um das Alter von 12/13 Jahren. Im Alter von 11 bis 14 Jahren kommt es dann bei den Mädchen zu einem raschen Wachstum der Eierstöcke, der Scheide, der Gebärmutter und Schamlippen sowie zur ersten Regelblutung (Menstruation). Bei den Jungen wird dieser Reifungsprozess bis zur Erlangung der Geschlechtsreife (Auftreten der ersten Ejakulation) für den Zeitraum von 13 bis 16 Jahren angegeben.

Diese Veränderungen im körperlichen Bereich werden von den Heranwachsenden psychisch reflektiert und führen bei manchen Jugendlichen zu Verunsicherungen in ihrer körperlichen Selbstdarstellung. Erst mit dem Durchlaufen der anschließenden Harmonisierungsphase können diese Hemmungen konstruktiv gelöst werden. Die Jugendlichen im Alter bis etwa 14 Jahre lernen allmählich, sich aus der Sicht anderer zu sehen, und sie beziehen Vergangenheit (wie sie waren) und Zukunft (wie sie sein möchten und was sie werden möchten) mit in ihre Selbstbeschreibungen ein.

Sie begeben sich also auf die Suche nach ihrem Selbst, nach ihren Lebens- und Zukunftsperspektiven. Das gilt auch für ihre soziale Entwicklung insgesamt. Der Prozess der emotionalen Loslösung von den Eltern, die Einbindung in Peergruppen und die Aufnahme von Beziehungen zu Freunden beiderlei Geschlechts beginnt erst jetzt. In der frühen Adoleszenz sind Freunde Personen, mit denen man gemeinsam etwas unternehmen kann, aber die Tiefe und Wechselseitigkeit der Beziehungen sowie das besondere Gefühl der Freundschaft ist noch nicht konsistent. Bezüglich der Lernmotivation ist häufig ein ambivalentes Verhalten zu beobachten: einerseits stabilisieren sich Interessen. Andererseits ist ein "Haltungsverfall" zu verzeichnen, der sich besonders gegenüber schulischen Lernanforderungen zeigt. Aufgehoben wird diese Diskrepanz erst in den nächsten Entwicklungsphasen, wenn Schulabschlüsse und Übergänge in das Berufsleben Bedeutung erlangen. Neben diesen biologischen Prozessen und Persönlichkeitsentwicklungen zählt die Veränderung kognitiver Fähigkeiten zu den gravierendsten Übergängen in der Entwicklung des Jugendlichen. Vornehmlich beziehen sich diese auf die unmittelbare Erweiterung der Denkoperationen. Das Denken in Möglichkeiten mit Bildung von Hypothesen entsteht. Die Fähigkeit zur Abstraktion wird umfassender, indem Abstraktionen in unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen verstanden und generiert werden. Metakognitives Denken, die eigenen Gedanken werden Gegenstand des Denkens, entwickelt sich sowie auch die Fähigkeit, multidimensional und relativ zu denken. Damit geht gleichzeitig eine Verbesserung der Informationsaufnahme und -verarbeitungsqualität einher.
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