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Grundschulkind

Vom Säugling zum Jung-Erwachsenen - jede Entwicklungsstufe hat seine Besonderheit.

Moderatoren: maeusemama21, Babett

Grundschulkind

Beitragvon Ralf » Mi 15. Jul 2009, 12:12

Zum Ende des Vorschulalters hat das Kind die Entwicklungsaufgaben gemeistert, die es in die Lage versetzen, sich den neuen, qualitativ höheren Anforderungen der Schule zu stellen. Das Kind hat in der körperlichen Entwicklung den 1. Gestaltwandel durchlaufen. Es hat Kompetenzen im Spiel erworben. Das Rollenspiel dominiert in diesem Alter und geht allmählich zum Regelspiel über. Die Sprache ist in ihrer Erkenntnis- und Mitteilungsfunktion ausgebildet. In der Entwicklung des Denkens vollzieht sich ein Übergang vom situativen zum empirischen Denken. Die sozialen Beziehungen haben sich von der "Nur"-Erwachsenenbindung zu einer situativ bedingten Kind-Kind-Beziehung verändert. Das Kind hat Ich-Bewusstsein entwickelt und richtet sein Verhalten schon nach einfachen ethischen Normen aus. Mit diesen Persönlichkeitsmerkmalen hat es die Voraussetzungen für den Schulbesuch erworben.

Es ist schulfähig, was bedeutet, dass es aller Voraussicht nach die Anforderungen, die die Schule mit ihren Lerninhalten an das Kind stellt, erfüllen kann. Die Relativierung ergibt sich daraus - und wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Schulfähigkeit haben dies ergeben -, dass die Schule ihrerseits auch einen wesentlichen Beitrag zur Ausprägung der Schulfähigkeit, zur Förderung der Gesamtentwicklung des Kindes leistet. So konnten beispielsweise Ceci und Williams (1997) sowie Mandl (1975) feststellen, dass sich ein später Eintritt in die Schule nachteilig auf die Entwicklung der Intelligenz auswirkt. Unter schulischer Förderung darf nämlich nicht nur Wissensvermittlung verstanden werden, vielmehr findet in der Entwicklung eine grundsätzliche kognitive Umstrukturierung statt, indem Wissen und Umwelterfahrungen neu geordnet werden. Episodisches Wissen, erworben in der vorangegangenen persönlichen Biografie, wird aus dem bisherigen Erfahrungskontext herausgelöst und in eine wissenslogische Ordnung gebracht.

Der Erwerb der Schriftsprache ist dabei von besonderer Bedeutung. Dem Kind gelingt es nun zunehmend, Begriffe nach ihren Merkmalen zu bestimmen. Während im Kleinkind- und Vorschulalter noch Zweck und Verwendung der Objekte ausschlaggebend für deren Bestimmung waren, geht diese jetzt vonstatten auf der Grundlage wahrgenommener, zunächst zufälliger, dann aber immer mehr ausgewählter, verallgemeinerter, für das Objekt wesentlicher Merkmale. Zum Ende der Grundschulzeit erfolgt dann bereits eine Einordnung von Begriffen in Kategorien. Nach Piaget befindet sich das Kind auf der Stufe der konkreten Denkoperationen. Auch die Wahrnehmungsleistungen des Kindes werden zunehmend analytisch und differenzierter. Das betrifft die Konstanz der Menge, der Zahl, der Länge, der Fläche und des Volumens. Die Speicherung dieser Inhalte erfolgt im Prozess der Auseinandersetzung des Kindes mit den schulischen Anforderungen. Dadurch wird das Wissenssystem sowohl reichhaltiger als auch geordneter.

Bezüglich der Entwicklung der Lernmotivation des Grundschulkindes ist festzustellen, dass zunächst, mit Eintritt in die Schule bis zur Mitte der 2. Klasse emotional anregendes Lernmaterial besonders zum Lernen motiviert. Auch die neue Position, Schüler zu sein, ist für das Kind bedeutungsvoll sowie das Lernen für den Lehrer/die Lehrerin und die Eltern. Zunehmend wird auch der Erwerb von Leistungs- und sozialer Kompetenz in der Schulklasse wichtig als Motivation für Lernengagement. Diese Trends lassen sich auch mit der Entwicklung des sozialen Verhaltens in Verbindung bringen. Zunächst erfolgt in der 1. Klasse eine Einordnung der Schüler in Gruppen von außen. Zunehmend an Bedeutung gewinnt dann die Selbstorganisation von Kindergruppen, wobei für die Gruppenzugehörigkeit und die Stellung in der Gruppe solche Kriterien wie Schulleistungen, materieller Besitz und auch Äußerlichkeiten der Sozialpartner eine Rolle spielen. In der Gruppe erlernt das Kind Normen für seine Verhaltensorientierung durch den Vergleich zwischen Selbstbild und Fremdbild und Rückmeldungen aus der Gruppe. Es erwirbt Gütemaßstäbe bezüglich des sozialen Verhaltens und der Leistungsfähigkeit. Dieses Alter hat insofern eine enorme Bedeutung für die Selbstbewertung und somit für die Entwicklung des Selbstkonzeptes der Persönlichkeit.
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